Schon auf den ersten Metern durch Chile wurde uns klar, dass wir nicht nur eine Landesgrenze passiert hatten. Nein, der Wechsel war viel größer als gedacht und sollte besonders Tage später in Santiago de Chile spürbar werden. Hatten wir uns zuvor oft nur auf holprigen Schotterpisten fortbewegt und waren gezielte Schläge auf die Wirbelsäule durch Schlaglöcher fast schon liebgewonnen worden, so erstreckte sich in Chile vor uns plötzlich ein Straßennetz, dass kaum deutscher an Qualitätsmerkmalen sein konnte.
Der kurze Hüpfer nach der Grenze nach San Pedro de Atacama war schnell absolviert. Vor Ort entlastete das Busunternehmen mich erst mal von einem Handtuch und einer Badehose. Leider zu spät gemerkt, dass diese nicht mehr am Rucksack waren als ich diesen auslud. Hostel raus gelassen, geduscht und ab das neue Land erkunden. Im ersten Restaurant trafen wir auch gleich unseren spanischen Freund Ignacio von der Salar de Uyuni-Tour wieder an und beschlossen einen gemeinsame Radtour nach der Mahlzeit anzutreten. Diese ließ zwar ein wenig an Zielstrebigkeit vermissen, denn wir wechselten häufiger Richtung und Ziel, war dafür aber umso schöner. Zwischen einer roten Felsenlandschaft quälten wir uns den ersten Streckenabschnitt hoch, um später die müden Glieder in einem nahegelegenen Bach zu kühlen. Das war vielleicht ein Anblick, wie wir in unseren Boxershorts im flachen, bräunlichen Wasser lagen und uns von den Fluten um- bzw. immer wieder flussabwärts spülen ließen. Wir setzten die Fahrt schließlich fort und hatten in einem Hund plötzlich über Kilometer einen Begleiter, der den Fahrrädern unabdingbar folgte (außer er musste mal kurz wieder die Reifen eines vorbeifahrenden Autos attackieren). Den Sonnenuntergang sahen wir zwar nicht mehr am anvisierten Ort, aber das machte die Tour nicht weniger schön! Der Abend endete bei gemeinsamer deutsch-spanischer Lebensphilosophie und ein paar Bieren im Stadtpark.
Bereits am kommenden Tag sagten wir San Pedro de Atacama „Adios“ und traten unsere 24stündige Fahrt nach Santiago de Chile an. Diese wurde bereits kurz nach der Abfahrt jäh unterbrochen, als die Polizei den Bus zur Kontrolle raus winkte. Mit finsterer Miene durchschritt die Ordnungsmacht den Bus, nahm Personalien einzelner auf und wies auf die Anschnallpflicht hin! Das das doch noch mal jemandem, außer mir, in Südamerika wichtig sein sollte…
Am Busbahnhof angekommen, machten wir uns gleich auf zu Carolina, welche dieser Tage unsere Gastgeberin sein würde.
Das mehrstöckige Wohnhaus hatte so gar nichts mit den Lehmziegelhütten und anderen Unterkünften zu tun, in denen wir zuletzt unter anderem genächtigt hatten. Am Eingang wurde der Einlass per Scanner und Fingerabdruck gewährt, ehe uns der Portier an der Rezeption per Aufzug in das richtige Stockwerk schickte. Um unsere Bestände wieder etwas aufzufrischen machten wir uns bald auch auf den Weg zum gemeinsamen Einkauf. Auf dem Weg zum Supermarkt wurde uns auch klar: „Der schnellste Weg Südamerika zu verlassen ist nach Santiago de Chile zu reisen.“ Der Supermarkt hatte Dimensionen, welche auch in Deutschland ihres Gleichen suchen würden. Das Sortiment war erschlagend riesig und besonders die Möglichkeiten des Verzehrs wurden uns erst nach und nach klar. Wenn man zuvor nur noch 10qm-Läden mit Grundbedarf gesehen hatte, konnte man von diesen Dimensionen fast nur erschlagen werden. Nach einem kleinen Irrlauf hatten wir alles eingekauft, das vermeintlich deutsche Bier „Kunstmann“ gekonnt verschmäht und uns die Hände ordnungsgemäß an der Kasse desinfiziert. Dies alles wirkte auf uns zu diesem Zeitpunkt ebenso abstrus, wie die neue Währung die einen Umrechnungswert von 1:700 zum Euro hat, wodurch wir vermeintlich Unsummen mit uns trugen und ausgaben. Die Entdeckungstour des ersten Tages endete auf dem Hausberg, quasi vor der Türe. Nach einer gemütlichen Gondelfahrt, wohnten wir einem Konzert unter der über der Stadt thronenden Jungfrau bei und genossen die warme, untergehende, Abendsonne.
Am zweiten Tag stand der Besuch des örtlichen Friedhofs an. Dieser hatte neben vielen, hier beerdigten, berühmten Persönlichkeiten, doch viel skurriles zu beten: Das große Gelände hatte viele verschiedene Bereiche. Einige waren sogar mit dem Auto zugänglich, so dass man quasi bis direkt vor das gewünschte Grab fahren konnte. Da Sonntag war herrschte auch reger Verkehr zwischen den Ruhestätten. Der schönste Platz waren die ganzen Mausoleen, welche zum Teil bis zu 200 Jahre alt waren und in verschiedenen architektonischen Formen und Größen gebaut wurden. Gewöhnungsbedürftig wirkten auf uns die Kindergräber. Dieser Bereich glich fast schon einer Festwiese. Auf sämtlichen Gräber waren viele bunte Windräder und ganze Spiellandschaften angelegt. Entweder hatten die Familien Dächer drüber gebaut oder große Pavillons schützten gleich mehrere Gräber. Unter den Abdeckungen saßen ganze Familie zusammen, aßen und unterhielten sich. Auch eine Art, die betrauerten Toten in das soziale Familienleben mit einzubeziehen.
Auf dem Rückweg fielen und bereits Busse mit singenden und Fahnenschwenkenden Menschen auf. Das vermeintliche Universitäts-Duell der Stadt zwischen Universidad de Chile und Unversidad Catolica sollte unserem Kenntnisstand nach allerdings bereits am Vortag gewesen sein. Nach kleiner Internetrecherche wurden wir eines Besseren belehrt. Da wir nur noch 2 Stunden bis Kick-off hatten, schnappten wir uns ein Taxi, um zum Nationalstadion zu kommen. Dort hatten die Anhänger von Universidad de Chile, dem unangefochtenen Tabellenführer, bereits die öffentlichen Plätze vor dem Rund alle in Beschlag genommen und feierten sich selbst schon weit vor Spielbeginn. Zu unserem Ärgernis schickt einen der unwissende Chilenische Polizist lieber in irgendeine Laufrichtung, statt einzugestehen, dass er die Frage nicht beantworten kann. So hatten wir auch nach eineinhalb Stunden laufen ums Stadionrund noch keine Kassenhäuser ausgemacht und auch einen Schwarzmarkt suchten wir vergeblich. Als wir schon resignierten und das Spiel gerade angepfiffen war, tauchte doch plötzlich ein Schwarzmarkthändler auf. Chance erkannt und gleich zugeschlagen. Der Moment der Kartenübergabe raubte uns allerdings einige Nerven: Während die Verkäuferin nicht mir und ich ihr nicht vertraute, wechselten Scheine und Karten in zwei gleichzeitig durchgeführten Schnappgriffen jeweils den Besitzer, während andere, aufmerksam gewordene einheimische Kartensucher, uns zahlreich bedrängten und mit „Gringo, Gringo“-Sprüchen dumm anmachten. Im Schnellschritt ging es dann ins gut gefüllte Stadion.
Auf dem Rückweg fielen und bereits Busse mit singenden und Fahnenschwenkenden Menschen auf. Das vermeintliche Universitäts-Duell der Stadt zwischen Universidad de Chile und Unversidad Catolica sollte unserem Kenntnisstand nach allerdings bereits am Vortag gewesen sein. Nach kleiner Internetrecherche wurden wir eines Besseren belehrt. Da wir nur noch 2 Stunden bis Kick-off hatten, schnappten wir uns ein Taxi, um zum Nationalstadion zu kommen. Dort hatten die Anhänger von Universidad de Chile, dem unangefochtenen Tabellenführer, bereits die öffentlichen Plätze vor dem Rund alle in Beschlag genommen und feierten sich selbst schon weit vor Spielbeginn. Zu unserem Ärgernis schickt einen der unwissende Chilenische Polizist lieber in irgendeine Laufrichtung, statt einzugestehen, dass er die Frage nicht beantworten kann. So hatten wir auch nach eineinhalb Stunden laufen ums Stadionrund noch keine Kassenhäuser ausgemacht und auch einen Schwarzmarkt suchten wir vergeblich. Als wir schon resignierten und das Spiel gerade angepfiffen war, tauchte doch plötzlich ein Schwarzmarkthändler auf. Chance erkannt und gleich zugeschlagen. Der Moment der Kartenübergabe raubte uns allerdings einige Nerven: Während die Verkäuferin nicht mir und ich ihr nicht vertraute, wechselten Scheine und Karten in zwei gleichzeitig durchgeführten Schnappgriffen jeweils den Besitzer, während andere, aufmerksam gewordene einheimische Kartensucher, uns zahlreich bedrängten und mit „Gringo, Gringo“-Sprüchen dumm anmachten. Im Schnellschritt ging es dann ins gut gefüllte Stadion.
Etwa 40.000 Zuschauer verfolgten das Traditionsduell. 35.000 davon dürften das Heimteam von „La U“ unterstützt haben und ein Großteil derer sang und sprang fast die gesamten 90 Minuten durch. Das Spiel endete unspektakulär 0:0, aber der äußere Rahmen wusste doch sehr zu gefallen!
Die kommenden Tage führten uns unsere Gastgeberin Carolina und unsere deutsche Freundin Simone auch immer wieder herum. So dass wir große Teile der Stadt zu sehen bekamen. Santiago ist eine durchaus lebenswürdige Stadt. Auch diese hat ihre ganz eigenen Besonderheiten. Die U-Bahnen beispielsweise fahren auf Gummireifen in festen Spuren und nicht etwa auf Schienen. Die meisten öffentlichen Räumlichkeiten (wie auch U-Bahnschächte) haben große Ventilatorenanlagen, welche zum Teil wasserhaltige Kühlung verpassen. Die Chilenen wirken auch augenscheinlich eher wie Europäer. Indige Menschen kann man an einer Hand abzählen. Umso schneller sind die Einheimischen jedoch dabei dich als „Gringo“ zu beschimpfen. Nicht nur einmal spürten wir eher eine abwertende Haltung gegen Ausländer. Hier nahm für uns der Nationalstolz der Chilenen manchmal ein wenig unangenehme Formen an. Und wie schon erwähnt gibt es auch große Unterschiede zu den vorangegangenen Ländern. So haben viele Schuhputzer zum Teil Sponsorenversehene Stühle, es gibt wieder die Auswahl zwischen Wasser „con“ oder „sin“ Gas und der Anteil rauchender Passanten ist ebenso beachtlich hoch, wie der von Menschen mit Tätowierungen. Straßenverkaufsstände in der vorangegangenen Anzahl sucht man dagegen allerdings fast vergeblich. Lediglich einige Ramsch- und Obststände (die ich die Tage um über 3kg Kirschen (im November!!) erleichtert habe) traf man auf den Gehwegen an. Auch der Straßenverkehr ist ruhiger und überschaubar. Der öffentliche Nahverkehr ist fest in staatlicher Hand. Es gibt keine alternativen, vollgestopften Privattransporter, deren Anwerber schreiend die Straßen beherrschen. Die Autoliebe nimmt auch fast schon deutsche Ausmaße an. Auf Santiagos Straßen fahren fast nur Neuwagen und eine auffallend große Anzahl von teuren Geländewagen. Die Jugend sieht man am ehesten engumschlungen und knutschend auf Parkbänken oder öffentlichen Plätzen. Auf Partys begrüßt man sich gerne mit „Concha tu madre“ (Fick deine Mutter) und wenn diese zu laut wird, kann das auch schon mal Kosten in Höhe von ca. 200€ (wie live erlebt) Verwarnungsgeld nach sich ziehen! Einem Erdbeben der Stärke 5,6 wohnten wir nachts ebenfalls bei. Doch die Erschütterung konnte unserem wohltuenden Schlaf nichts anhaben…
| Im 19. Stock... |
Von Simones Wohnhaus aus konnten wir auf dem 19.Stock nicht nur den dortigen Swimmingpool bewundern, sondern auch den viel zitierten Smog, der stets über Santiago hängt.
Leider platzte unser zweiter Stadionbesuch beim Traditionsclub „Colo Colo“, da der Verband wegen Ausschreitungen in vorangegangenen Spielen das Stadion für Zuschauer gesperrt hatte.
Leider platzte unser zweiter Stadionbesuch beim Traditionsclub „Colo Colo“, da der Verband wegen Ausschreitungen in vorangegangenen Spielen das Stadion für Zuschauer gesperrt hatte.
Den letzten Abend verbrachten wir auf dem 15.Geburtstag von Carolinas Schwester. Doch während die Minderjährigen tanzten, rauchten und tranken, spielten wir lieber mit ihrer Familie „Rayuela“. Ein Spiel, ähnlich Bocchia, bei dem man allerdings nicht Kugeln, sondern zylinderförmige Gewichte (2,5kg) in ein 14m entferntes Feld, möglichst mittig, werfen muss, um die gewinnbringenden Punkte zu ergattern.
Am kommenden Tag hieß es dann schon wieder „Adios Chile“. Die Anden sollten uns bis Mendoza/ Argentinien noch einen letzten Abschnitt begleiten, ehe wir auch diese danach nach 3 Monaten verließen.
| Zum Abschied wurde noch gekocht |