KLICKEN VIDEO VON DER PFERDEKUTSCHE
Nach wackeligen 15 Minuten kamen wir am Schiffshafen an, wo schon Hochbetrieb herrschte. Waren aller Art wurden auf das Schiff geladen. Ich drängte mich durchs Getümmel um unsere Kabine klarzumachen.
Nachdem wir dort auch unser Hab und Gut verstaut hatten, legten wir uns erst mal in die Kojen. Als sich die Äuglein nach zwei Stunden wieder öffneten war das Schiff bereits auf vollen Touren unterwegs. Also raus aus der Kajüte und erst mal die Örtlichkeit erkunden Kleine Führung gefällig? Na dann folgt mir mal. Aber vorsichtig, gleich hinter unserer Kajütentüre haben sich Leute im Gang schlafen gelegt. Vorsichtig drücken wir die Türe auf, die Leute machen Platz. Links und rechts liegen eng beieinander Männer, Frauen und Familien samt ihrer Habseligkeiten. An den Deckenbalken in der Mitte des 1,50m breiten und etwa 8m langen Ganges sind Hängematten angebracht, in welchen ebenfalls wahlweise eine bis drei Personen „Platz“ finden. Behutsam bahnen wir uns den Weg durch die Menge, nach vorne gen Schiffsbug. Nach unserem Gang teilt es sich links und rechts. In der Mitte sind zwei Räumlichkeiten für die Mannschaft, in welcher diese eng auf eng liegen. Davor ist etwas erhöht die Steuerkabine. Links und rechts in den Gängen, des 1.Stockes in dem wir uns befinden sitzen noch mehr Leute auf den Bänken am Fenster. Hier ist der Raum in dem es sich klimatisch am besten aushalten lässt. Der Fahrtwind dringt durch die Fenster rein und kühlt die von 40 schwülen Grad gequälten Körper etwas. Wir steigen die Treppe zwischen den Mannschaftskabinen hinunter. Vorbei an Verkaufsfrauen, die Empanadas (gefüllte Teigtaschen), Milanesas (wie paniertes Schnitzel), Getränke und Knabbereien anbieten, drücken wir uns den Gang vor zum Bug. Dieser hat eine etwa 10m lange Freifläche auf welcher sich Mobiliar, Motorräder, Matratzen, Lebensmittel, Saatgut, Tonnen, Kisten, Ziegen, Hühner und Menschen stapeln, die dort einen freien Platz im Schatten eines der Laken gefunden haben, welche hier und da, ab und an provisorisch zwischen zwei Halterungen aufgespannt werden. Da die Sonne runter brennt drücken wir uns wieder den Seitengang nach hinten durch. Auch im Inneren ist alles vollgestapelt. Hier mit Kartoffeln, Zwiebeln, Melonen, Südfrüchten, etc. Wo sich eine Nische bietet sitzen oder liegen Leute. Immer wieder müssen wir uns unter den Halterungen der zahlreichen Hängematten durchdrücken. Wir erreichen die Rückseite des Schiffs. Meine Worte an euch verhallen hier unter dem gleichmäßig tiefen Getöse des Dieselmotors welcher unter dem Deck platziert ist. Ganz hinten sind die vier Toiletten, welche sich Crew und Passagiere, zu Spitzenzeiten sicher 120 Leute, auf dem etwa 40x10m großen Schiff, teilen.
| Dusche und Toilette |
In ihnen ist es noch heißer und man hält während des Aufenthalts bereitwillig die Luft an. Die Toiletten sind gleichsam aber auch Duschen. Die Schläuche dort werden sowohl zum hinab spülen der Notdurft als auch zum abduschen verwendet… Wir wenden uns wieder gen Bug und steigen die Treppen nach oben. Hier, vor unserem Kabinengang ist die Küche, welche drei Mal täglich für je 10 Guaranis (Umrechnung: 1€ = ca. 5,80Gua) Essen serviert. Drumherum um die Theke und den Treppenaufgang gibt es Sitzmöglichkeiten.
| Sitz- oder Liegemöglichkeiten an Bord |
Leider ist es hier auch sehr heiß, da kaum ein Lüftchen hier hinten durch die Fenster dringt. Doch ein paar Passagiere haben unser Leiden schon erkannt und reichen uns kalten „Tereré“. Hierbei handelt es sich um die kalte Version von Maté, bei welcher eisgekühltes Wasser in die Becher mit dem Mate-Jerba gekippt wird. Kurzfristig erfrischt bahnen wir uns wieder den Weg in unsere Kajüte. Vor diese hat sich gerade eine fünfköpfige Familie gelegt, welche uns fast bis zum Ende an Bord begleiten wird. Mutter und Vater sehen sehr verarmt aus. Die etwa fünf und sechs Jahre alten Mädchen kümmern sich mit um den kleinen Säugling, wenn die Mutter mal eine Pause braucht. Sie schlafen all die Nächte auf dem Boden, auf dem offenen Bug oder auch mal teilweise in einer Hängematte. Nach diesem Rundgang ist uns klar, dass wir selbst mit unseren 2x2m, auf die sich zwei Stockbetten in der Kajüte verteilen, noch die Könige an Bord sind. Denn durch einen kleinen, für uns sehr erschwinglichen, Aufpreis haben wir uns das Alleinnutzungsrecht der Kabine über die kommenden 4 Tage und 3 Nächte gesichert.
4 Tage und 3 Nächte können an Bord eines solchen Schiffes eine sehr lange Zeit sein. Das Schiff bahnte sich unbeirrt seinen Weg gen Norden auf dem Rio Paraguay. An nahezu allen möglichen und unmöglichen Stellen machten wir mehrfach täglich Halt, um Leute ein oder aussteigen zu lassen, Waren zu ent- oder zu beladen. An richtigen Anlegestellen oder einfach nur an einem steilen Erdwall, schleppten die dortigen Bewohner und Arbeiter des Schiffes die Waren von und an Bord. Nach der ersten Nacht hatte sich zumindest die Anzahl der Mitfahrer deutlich reduziert, was die Platznot an Bord etwas entspannte. Doch diese beengten Verhältnisse brachten einmal mehr auch die Gelassenheit dieses Menschenschlages zutage, welcher fast Klaglos ausharrt(e), egal ob Kind oder schwerbetagte Alte. Wer sich für die Nacht einen schönen Platz gesichert hatte konnte dann auch unter dem schönsten Sternenhimmel schlafen, den wir seit langer, langer Zeit gesehen hatten.
An dieser Stelle sei folgende Gemeinheit mal gestattet: „Was haben Tobi und Philip, sowie 50 Schiffspassagiere gemeinsam?“ Antwort: „Beide Gruppen haben zusammen die selbe Anzahl Zähne…“ :-D
Nach vier Tagen erreichten wir unser Ziel Bahia Negra, Nord-Paraguay und auf der Landkarte nur einen Steinwurf von Brasilien entfernt. Voller Tatendrang gingen wir gegen 14h von Bord. Den Beamten der Militär-Polizei, welcher gleich unsere Personalien überprüfte, amüsierte es sichtlich, dass wir hier in der Erwartung waren einen „Terminal de Buses“ vorzufinden. Ein Bus fährt tatsächlich ab von Bahia Negra. Aber erstens nur Dienstags und wir hatten Freitag und dann auch nur wieder zurück gen Süden. Nun war guter Rat teuer. Im wahrsten Sinne… Da wir aber mit Brian aus „Gringolandia“ (USA) einen fanden, welchen die Tatsache, dass ab Bahia Negra auch die Reiseführer ihre Infoleistungen beenden, ebenfalls nicht misstrauisch gemacht hatte, konnten wir gemeinsam eine Lösung erarbeiten.
| Ab nach Bolivien.... Vamos a ir a Bolivia |
Neuer Morgen und ab zur Grenze. Wieder einmal waren wir die Könige. Denn wenn schon „illegal“ dann doch richtig lautete wohl Brians Motto, denn er hatte noch nicht mal einen Ausreisestempel von Paraguay und wollte nun durch den bolivianischen Zipfel nach Brasilien rein. Während des Anstehens wurde die Situation gründlich mit einheimischen Mitarbeitern diverser Touristenveranstalter erörtert, welche in der Schlange Warteplätze besetzten und vergaben. Nach dieser verließ Brian kurzentschlossen unsere Reisegemeinschaft, um ohne Stempel nach Brasilien einzureisen. Als wir schließlich nach zwei Stunden dran hätten sein sollen, gesellten sich zu diversen Einzelwartern in der Schlange plötzlich vermeintliche Familienangehörige. Dies sorgte natürlich für Aufregung und Unmut bei den nachfolgenden. Ausgerechnet uns fragten die Grenzer dann auch noch welcher Bolivianer sich da nun vorgedrängt hatte und welcher nicht. Nachdem sich die Aufregung wieder gelegt hatte, kamen wir dann auch schneller als zu diesem Zeitpunkt erwartet dran. Einer der Grenzer hatte unverhofft eine ganze bolivianische Sippe wütend in die Ecke verbannt, um uns einen Bruchteil später mit dem schönsten Sonntagslächeln, dass man an einem Samstag haben kann, an den Schalter zu winken. Ob unserer wilden Geschichte von einem paraguayischen Ausreisestempel an der bolivianisch-brasilianischen Grenze, Bootsfahrten auf dem Rio Paraguay und Schleuserfahrten durch den Nationalpark, verwandelte sich sein Gesichtsausdruck zwar schnell in ratlose Gesichtszüge. Unser Verweis darauf, dass uns das alles die von ihm und seinem Kollegen „verhassten“ Bolivianer dadurch eingebrockt hatten, da sie vermeintlich zu uns meinten wir bräuchten keine bolivianischen Stempel, weckten wohl die Retterinstinkte, so dass wir nach mehrfachem Wiederholen unserer Geschichte und der Beschwörung, dass wir von Brasilien aus direkt diesen Kontinent verlassen, die erhofften Einreisestempel schließlich bekamen.
In Corumba fanden wir bald ein Hostel und trafen dort unverhofft auch wieder auf Brian. Er wollte nach dem Grenzübergang auf Nummer sicher gehen und wähnte ein Taxi als Transportmittel nach der Grenze sicherer als den Bus. Er zahlte mit seinen 45 Reales (1€= ca. 2,3 Reales) nicht nur den Transport seines örtlichen „Beraters“ mit, sondern auch noch knapp 40 Reales mehr als wir zusammen für die Busfahrt… Für den Folgetag kauften wir mal wieder die obligatorische Katze im Sack. Aber wer als Tourist das Pantanal sehen will, muss wie eben überall hier in Südamerika ein wenig das Risiko eines Fehlgriffes in Kauf nehmen, wenn er sich für eine Agentur entscheidet. Unser Reiseanbieter ließ uns am Folgetag von einem Taxifahrer abholen. Doch allein schon dies zwischen diesem, uns und dem Hotelrezeptionisten zu kommunizieren war mit den vorhandenen Sprachkenntnissen der vier beteiligten fast ein Unding. Ab nun war es vorbei mit dem spanischen. Lesen kann man das portugiesische zwar, aber sie sprechend zu verstehen…
In jedem Fall gelangten wir heile an den gewünschten Zielort. Wobei die Fahrzeit im Bus genutzt wurde etwas in Sorge um Brian zu verfallen. Wurden bei Buseintritt doch sämtliche Pässe auf Einreisestempel kontrolliert. Wie es für ihn letztlich ausging wissen wir nicht, aber wir hoffen das Beste!
Für Sorge um Dritte war nun auch keine Zeit mehr. Denn der Zustand des Transporters, welcher uns zur Pantanal-Unterkunft bringen sollte, fokussierte uns wieder auf unser Heil. Nach dem die Regenzeit in diesem Gebiet schon sechs Wochen auf sich warten ließ, hatte sie sich ausgerechnet die Vortage ausgesucht um den Weg auch schön schlammig zu machen. Dies hielt unseren Fahrer aber ebenso wenig davon ab etwas langsamer zu fahren, wie auch der Umstand, dass er wegen des umher spritzenden Schlamms nur durch das Seitenfenster hinauslehnend nach vorne sehen konnte, oder man seine Reifen in Motorsportkreisen „Slicks“ nennen würde. Ein wenig ärmer an Nerven und leicht schlammbesudelt kamen wir in unserer Unterkunft an. Die drei Tage dort durften wir mit diversen Aktivitäten füllen.
| "Ich fang mal`s Mittagessen für Euch!" |
| Tagesausflug |
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Und wir Idioten hatten am Vortag die Angel verwendet…
Nach zwei Nächten und drei Tagen sagten wir auch dem Pantanal „Tschüss“ und verließen den Nordwesten Brasiliens gen Sao Paulo.