Nachtbusse haben ja durchaus ihre Vorteile. Diese möchten mir aber partout nicht einfallen, wenn ich mal wieder nachts um 3h an irgendeiner Grenze aus dem Schlaf gerissen werde, um die Einreiseformalitäten zu erledigen. Der argentinische Grenzbeamte war mit den vier Durchschlägen, welche es bei der Einreise aus Chile gegeben hatte, gleich in Gänze überfordert und so dauert es einige Rückfragen seinerseits bis die erforderlichen Stempel getätigt waren. Zum Glück hielt mich auch der uruguayische Einreise-Beamte nicht allzu lange auf, bis auf die übliche „Michelle Pfeiffer“-Anspielung auf meinen Nachnamen kam ich ganz gut weg. Doch die Tücken der Grenzkontrollen wollen auch immer, dass das ganze Gepäck anzuschleppen ist, ehe man in Reih und Glied sich einer Überprüfung unterziehen muss. Nachdem auch diese Hürde genommen war, konnte es endlich weitergehen und noch ein paar Ruheminuten erhascht werden.
Neues Land, neue Währung und damit eine neue Umrechnung. Die ständigen Wechselkurse überforderten uns gleich gemeinsam, so dass wir am nächsten Bankomaten den selben unsinnigen Betrag zogen, welcher zwar numerisch hoch erschien, aber kaum mehr als 10€ Wert in der Hand darstellte. Danach Hostel klargemacht und ab zur Erkundungstour in die Stadt.
| Also wenn JETZT keine weihnachtliche Stimmung aufkommt... |
Machen wir es einmal kurz: Der Ausflug nach Monetvideo/ Uruguay bot wenig was in unsere glorreichen Analen einging. Die Stadt an sich in eine bunte Mischung aus vielen alten Fassaden, die leider meist sehr heruntergekommen sind und vielen hohen Häusern. Überall tropfen die zahlreichen Klimaanlagen an den Wänden auf die Straßen. Diese unfreiwillige Abkühlung ekelte uns auch mehr an, als dass wir sie genossen. Alles in allem ein kurzweiliger Stadtmix, wo es sich sicher auch gut wohnen lässt. Auffallend im sonstigen Stadtbild sind neben den Pferdegespannen, die sich hier ihren Weg vereinzelt im Stadtverkehr bahnen, besonders die überwältigende Anzahl von Leuten welche mit Thermoskanne unter dem Arm und Matebecher in der Hand auf den Gehwegen flanieren. Ein für uns, als Neu-Mate-Jünger, geradezu inspirierender Anblick. Vorbei an vielen Stadtbewohnern, die quer verteilt auf den Gehwegen oder auf Plätzen ihr Sonnenbad nehmen, bahnten wir uns die Tage außerdem auch noch den Weg zu unserem ersten Sonnenstrand-Ausflug. Erkenntnis des Tages: „Don´t fuck with the sun“! Denn rote Haut und viele sich abschälende Stellen waren das Ergebnis über weite Tage nach dem Sonnenbad hinaus… Nach einem außerdem verpatzten Besuch eines Fußballspiels (Warum auch wie auf der Vereinshomepage angegeben spielen?) ging es erneut mit dem Nachtbus zurück nach Argentinien, in die Haupstadt Buenos Aires. Wieder nachts geweckt, Formalitäten erledigt, „Michelle Pfeiffer“-Witz überstanden und ab in die große Stadt, welche wir nach beherzter Fahrt des Busfahrers bereits 1,5 Stunden zu früh (!) erreichten. Am Busbahnhof „Retiro“ gaben wir Rosa und Victor, unserer neuen Gastfamilie, Bescheid, dass wir gut angekommen waren. Wir verständigten uns darauf, dass wir vor dem Busbahnhof warten sollten bis sie uns mit dem Auto abholten. Leichter gesagt als getan… Denn, während in bald 4 Monaten Südamerika nur einmal (gleich zu Beginn in Quito/ Ecuador) versucht wurde Teile unseres Hab und Guts fremderseits zu ergattern, unternahmen diverse Angreifer diesen Versuch in 40 Minuten Wartezeit gleich drei mal! Erst legte man Tobi und mir vermeintlich verlorenes Geld nahe, dann wurde ich auch noch von einer vermeintlichen Taube angeschissen. Doch die Holzaugen waren zu früher Stunde bereits wachsam genug und von unseren Rucksäcken ließen wir uns nicht weglocken!
Bald darauf wurden wir herzlichst von Rosa und Victor begrüßt und bei ein paar Matebechern im Auto war das Eis schnell gebrochen.
| Die "große" Evita. Gleich zu Beginn gab es eine kleine Stadttour mit dem Auto. |
Dass „Los Alemanes“ „loco por el futbol“ sind hatte sich schnell herumgesprochen und so fuhr Victor mit uns gleich noch zu der Stätte, die Tage später unser Ziel sein sollte: „La Bombonera“ (die Pralinenschachtel), wie die Fans der Boca Juniors ihr Stadion ehrfürchtig nennen. Und als glühender Boca-Anhänger hatte er uns auch gleich einiges zu erzählen. Im Anschluss ging es dann aber weiter nach Garin, wo wir nun über eine Woche in der Provincia Buenos Aires (Umland der Hauptstadt) wohnen sollten. Garin liegt knappe 100 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Innenstadt entfernt. Doch dank der wieder einmal überaus günstigen Verkehrsverbindungen (etwa 0,70€ einfacher Fahrpreis in die Stadt!) nahmen wir diesen Umstand gerne in Kauf. Die Gastfreundlichkeit und Rosas Kochkünste taten ihr übriges. Besonders Rosa tat fast alles dazu, dass man(n) sich wohl fühlt und die Re-Integration Zuhause ein kleines bißchen schwerer werden wird. So war es uns ihrerseits nicht mal gestattet nach dem Essen die eigenen Teller abzutragen. Ist schließlich Aufgabe der Frau…. Wie alle Argentinier, so war auch unsere Gastfamilie sehr Kussfreudig. Zur Begrüßung und Verabschiedung küssen sich Weiblein, wie Männlein auf die Wange. Dieses Ritual erstreckt sich auf alles und jeden. Jede noch so flüchtige Bekanntschaft lässt keine Möglichkeit aus einen zu Knutschen. Der Kuss unter Männern war für uns zu Beginn noch gewöhnungsbedürftig, nach ein paar Tagen aber schon gewohnter Vorgang.
Samstagmorgen packten wir früh unsere Sachen, um dem öffentlichen Auftritt von „Cristina“ (Fernandez Kirchner), der Präsidentin des Landes, in der Innenstadt beizuwohnen. Nach dem Ausstieg aus der Subte (U-Bahn von Buenos Aires) bahnten wir uns unseren Weg durch die dicht gedrängten Massen. Die Landesfarben hellblau und weiß dominierten das Straßenbild. Leute tanzten, sprangen und sangen nahe der abgesperrten Straßen und der großen Übertragungsbildschirme herum. Gruppen mit selbst gebastelten Utensilien, großen Transparenten und vielerlei Musikinstrumenten erzeugten eine elektrisierende Atmosphäre! Jedes Staatsoberhaupt bei uns könnte sich über so einen Rückhalt mehr als glücklich schätzen! Als wir nah genug am Platz der Rede waren erhaschten wir dann auch noch einen Blick auf die vorbeifahrende Limousine, aus welcher Cristina dem jubelnden Volk eifrig zuwinkte.
Mit den Massen verließen auch wir die Innenstadt. Dank der Kundgebung waren heute alle Verkehrsmittel, bis auf die privatisierten Busse, kostenfrei nutzbar. Wie groß die Ausmaße von Buenas Aires Ciudad und Provincia wirklich sind, machte uns die folgende Zugfahrt nach „La Plata“ klar. Dem Zugplan zufolge waren es nur 15 Stationen. Da jedoch jegliche Zeitangabe fehlte, durften wir in der Praxis feststellen, dass wir für diese über 2 Stunden brauchen würden. Unser zweites Tagesziel war das Fußballspiel Gimnasio La Plata gegen Hurrican. Zwei Vereine aus Buenos Aires die im Vorjahr nach jahrelanger Zugehörigkeit aus der 1.Liga abgestiegen waren. Da erst zweieinhalb Wochen vor Saisonende noch mal die letzten 3 Spieltage der 1.Liga terminlich umgeschmissen wurden und innerhalb von 10 Tagen statt, wie ursprünglich angesetzt, 3 Wochen ausgespielt wurden, blieb uns heuer nur diese Partie. Doch unseren Besuch sollten wir noch bereuen! Mit etwa 20minütiger Verspätung kamen wir per Taxi am Stadion an und reihten uns in die Warteschlangen vor den Kassenhäuschen ein. Nach weiteren 10 Minuten war unser persönliches „Cordoba-Trauma“ (keine Eintrittskarten) auch überwunden und wir im gut gefüllten Stadion. Wie schon in vorangegangenen Partien in Südamerika konnten wir auch hier wieder sehen, dass die Schiedsrichter mit einem sich wieder auflösenden Spray weiße Markierungen dort auf den Rasen setzen, wo der Ball beim Freistoß zu liegen hat oder die Mauer beim Freistoß zu stehen hat. So entfällt auch das lästige Getrickse bei diesen Vorgängen! Der Unterhaltungswert des Spiels stieg in Halbzeit 2 nach gesamt gespielten 80 Minuten dann fast minütlich an. Kurz vor Schluss egalisierte Hurrican die 1:0-Führung der Heimmannschaft. „Mir doch egal!“ dachte sich da wohl der Trainer von Gimnasio, wechselte den bis dato besten Mann aus und brachte die Nummer 18, welche keine 20 Sekunden nach seiner Einwechslung goldrichtig stand und den vielumjubelten Siegtreffer schoss! Hurrican nun natürlich noch mal bemüht, bis der Ball vor den Trainerbänken ins Aus kullerte und in ein Ersatzspieler von Gimnasio diesen gekonnt aus dem Stadion drosch. Hurrican hatte hierfür ebenfalls Experten im Team. Diese stellten den Täter nicht nur, um ihn, wie in Deutschland zu schupsen und beschimpfen. Nein, sie prügelten gleich munter auf ihn ein.
| Na dann mal los... |
Innerhalb von Sekunden strömten nun auf dem Platz etwa 50 Menschen aufeinander los. In der bunten Massenkeilerei mischten Spieler, Trainer, Funktionäre, Schiedsrichter und die Polizei samt Knüppel und Schildern mit. Einzig auf die Ränge sprang der Gewalt-Funken nicht über. Während überall sonst vor Wut schäumende Zuschauer nun auf den Zäunen hängen würden, animierte die Boxerei das Publikum nur noch mehr dazu Stimmung machen. Und während die Ordungskräfte das Spektakel nach und nach wieder in den Griff bekamen hüpften und sangen knapp 20.000 Zuschauer auf den Rängen drum herum. Schlussendlich musste nur ein Spieler –wohlgemerkt der Gastmannschaft- für das Spektakel das Feld mit Rot verlassen. Seine Einsicht war nicht die Größte und so musste auch er von der Polizei vom Feld geführt werden. Durch die ganzen Unterbrechungen waren wir letztlich doch noch über 70 Minuten im Stadion und hatten einen riesen Spaß! Nach dem Spiel lernten wir noch, dass es in Argentinien allerorts üblich ist, dass die Gästefans zuerst aus dem Stadion geleitet werden. Erst danach öffnen sich die Stadiontore für die anderen Zuschauer.
Am Folgetag stand Fußballpartie Nummer 2 von 3 auf dem Tagesplan. Das „La Bombonera“, die Oper des südamerikanische Fußballs und Heimstätte des argentinischen Rekordmeisters Boca Juniors, war unser ausgemachtes Ziel. Bereits 4 Stunden vor dem Spiel erreichten wir den Ort des Geschehens. Eine Tageskasse gab es mal wieder nicht, dafür bereits die ersten Schwarzmarktverkäufer. Da die angebotenen Tickets aber eher wie Parktickets aussahen, waren wir sehr skeptisch. Mit leerem Magen macht man auch keine Geschäfte und so aßen wir im Stadionnahen Imbiss erst mal einen Happen. Ein älterer Herr hatte uns freundlich die noch freien Tische im hinteren Eck gezeigt und Tobi meinte noch: „Wie ich das hier alles wieder einschätze verhilft uns der Alte auch noch ins Stadion…“. Diese Aussage bewahrheitete sich schneller als wir dachten. Nachdem wir uns beim Imbissbesitzer wegen Karten erkundigt hatten, verwies er uns an einen Dicken und eben jenen Alten. Die beiden boten uns an, uns ins Stadion zu schleusen. Zahlen müssten wir erst nach Einlass. Auf den Preis hatte man sich schnell verständigt und bereits eine Stunde später machten wir uns mit weiteren Schleuswilligen auf zum Eingang. Doch so sehr auch gefunkt wurde, die benötigte Kontaktperson war noch nicht vor Ort und so traten wir auf Drängen der Polizei erst mal den Rückweg an. Wer nämlich kein Ticket hatte musste die drei Sicherheitsringe um das Stadion verlassen. Ein Wiedereintritt, auch mit allen denkbaren Tricks, scheiterte erst mal. Etwa eine Stunde vor Spielbeginn war die Kontaktperson nun an Ort und Stelle. Hierbei handelte es sich doch tatsächlich um einen der Chef-Securitys, welcher sich hier noch einen kleinen Nebenverdienst gönnt. In seinem Schlepptau durften wir ungefragt alle Kontrollen passieren. Er zog am Drehkreuz noch für jeden seine Karte drüber und drin waren wir. Nach dem Vorspiel der 2.Mannschaften kam das Meisterteam von Boca bereits vor der Partie auf den Rasen um unter dem Jubel der Massen eine Ehrenrunde zu laufen. Feuerwerk von der Haupttribüne und laute Gesänge rundeten das Ganze ab. Fußball wurde dann auch noch gespielt. Doch der Partie fehlte es leider etwas an Wettbewerbscharakter. Boca musste nicht mehr und All Boys konnte nicht mehr. Auch das Publikum schenkte dem Treiben auf dem Rasen nicht die Aufmerksamkeit, wie wenn es hier noch um wichtige Punkte gegangen wären.
| Wir hatten es geschafft, wir waren im Stadion! |
Nichts destotrotz waren die Eindrücke mitunter schon beeindruckend und die ein oder andere Gänsehaut überfiel ein beim Gesang des ganzen Stadions! Schließlich fiel doch noch der 1:0 Siegtreffer für Boca und die Feierlaune der Anhänger stieg noch mal bis zum Abpfiff an. Im Anschluss gab es die offizielle Übergabe des Meisterpokals, nochmals Feuerwerk mit viel Party auf dem Platz und auf den Rängen.
Zu später Stunde verließen wir schließlich das Stadion. An der Bushaltestelle sollten wir noch eine Überraschung erleben. Wir stellten uns wie gewöhnlich in die Warteschlangen. Und Prepaid-Kärtchen für das Busticket hatten wir bereit. Der erwartete Bus bog schließlich ums Eck und die Leute verteilten sich zum Einstieg schnell auf die jeweiligen Türen. Der Busbetreiber hatte das wohl erwartet. Und um Schwarzfahrer zu vermeiden stiegen aus den Bustüren Sicherheitskräfte, die den Knüppel bereits schlagbereit in der Hand hielten. Wer muckte konnte sich gerne von ihrer Einsatzbereitschaft überzeugen. Der Rest durfte Tickets bar bei den Schaffern kaufen, die aus den Fenstern hinauslehnten. In die folgenden Busse wurde man dann „höflichst“ durch das Sicherheitspersonal geleitet.
Nächster Tag, letztes Spiel: Interpendiente gegen den Nachbarclub von Garin, Tigre war angesagt. Wir hatten den Westteil der Stadt vor dem Spiel per Fuß auf uns genommen. Dies klingt auch leichter als es in Wahrheit ist. Denn der Straßenverkehr in Buenos Aires hat viele Tücken. Wer bei grüner Ampel die Straße überquert muss auch hier stets mit einem rücksichtslos passierenden Auto rechnen. Überquerungen ohne Ampeln gleichen einer Torerodarbietung. Man muss schauen, dass man sein Hinterteil gerade noch vor den herannahenden Fahrzeugen sichert. Den hiesigen Stadtverkehr dominieren in jedem Fall die privatisierten Busse, welche sich rücksichtslos ihre Wege bahnen. Diese Hierarchie wird aber auch kaum angezweifelt. Autofahrer machen hier fast bereitwillig Platz. Und falls nicht, so sind für die Busfahrer auch kleinste Streckenabschnitte, an deren Enden auch gern Hindernisse (beispielsweise haltende Taxen) stehen, lang genug um ein halsbrecherisches Überholmanöver einzuleiten. Diese Expressfahrten kosten in der Regel mehr Nerven als Geld. Denn für umgerechnet 30-40Cent kann man hier Wegstrecken von bis zu 2 Stunden und mehr zurücklegen. Es empfiehlt sich allerdings einen guten Platz oder Stand zu erhaschen, denn die Fahrer kennen nur zwei Fahrmodi: Vollgas und Vollbremsung. Mein Gott, was werde ich lachen, wenn in Stuttgart sich mal wieder einer über den Fahrstil unserer SSB-Fahrer beschwert. Da es auch keinen regulären Fahrplan gibt kommen die Busse meist recht beliebig. So ist es nicht ungewöhnlich, dass nach längerer Wartezeit plötzlich zwei der selben Linie nebeneinander eintreffen und weitere gleich folgen und sich überholen. Doch der Tücken nicht genug: Die richtige Nummer heißt noch lange nicht das richtige Ziel. Denn die Busse fahren meist trotz selber Nummer in mehr als nur zwei Richtungen. Über den Verkehr in Argentinien könnten wir eine ganze Sonderausgabe schreiben. Wie z.B. auch darüber, dass natürlich Helmpflicht im Lande herrscht und hohe Bußgelder dafür im Raume stehen. Dies ignorieren aber 90% der Motorradfahrer gekonnt. Entweder tragen sie überhaupt keinen Helm oder sie haben ihn am Arm oder manchmal gar nur über die Stirn gezogen… Selbst die Polizei kann man oft genug ohne dieses Schutzutensil sehen! Wer nicht gerne Bus oder Motorrad fährt, dem bleibt natürlich noch das Auto. Und die hiesige Regel lautet: So lange es fährt wird es auch gefahren.
Egal wie alt, in welchem Zustand oder wie viel Mann es bedarf es zu starten. So entdeckt man in Argentiniens Straßenverkehr viele fast vergessene Klassiker wieder. Besonders großer Beliebtheit erfreut sich vor allem der Ford Taunus. Dass die letzte Modellreihe weit zurück in den 80ern vom Band gerollt sein dürfte ist hier an der Anzahl nicht erkennbar. Letztlich sei zum Verkehr abschließenden noch erzählt, dass es auch auf Autobahnen ganz anders zugeht als bei uns. Allein Schilder zu sehen und zu erkennen fällt schon schwer, da dich die Werbeflächen am Straßenrand geradezu türmen an manchen Stellen. Und selbst wenn Schilder Vorgaben machen, so sind diese subjektiv interpretierbar. Dies gilt neben der Geschwindigkeit vor allem für die Überholvorgänge. Auch wenn diese nur links gestattet sind, wird hier wirklich überall überholt. Auf sechsspurigen Streckenabschnitten mündet das schon in sehr abenteuerlichen Vorgängen die sich da links, rechts, vor oder hinter dir abspielen.
Aber zurück von der „Autopista“ zu uns. Da wir genau darunter liefen, auch kein schwerer Übergang… :-p Wir hatten uns durch die Westviertel bis in die Nähe des Stadions von Interpendiente gekämpft. An einer Kreuzung erspähten wir das vermeintliche Ziel des Tages. Jedoch waren plötzlich keine Menschen in Trikots, etc. mehr zu sehen, als wir vor dem großen Rund standen. Des Rätsels Lösung. Nur einen Steinwurf vom Interpentiente-Stadion entfernt liegt die Heimstätte des Racing-Clubs. Zwei Stadion mit jeweils knapp 50.000Mann Fassungsvermögen trennen keine 200 Meter! Nachdem wir den Irrtum erkannt hatten, kauften wir uns ein paar günstige Tickets und betraten alsbald die Sportstätte. Wie schon bei Boca, so sind diese Vereine oft mehr als nur Sportvereine. Hier wird Mitgliedern auch die sonstige Freizeitgestaltung in Form eines Vereinseigenen Schwimmbades neben dem Stadion, versüßt. Das Stadion an sich befindet sich noch im Bau und war zum letzten Saisonspiel auch nur etwa zur Hälfte gefüllt. In einem mäßigen Spiel siegte die Heimmannschaft am Ende äußerst glücklich gegen die starken Gäste, die die Niederlage ihrem Torhüter verdankten. Da die Gäste aber längere Zeit führten und das Spielgeschehen bestimmten, zeigte sich vor allem der Heimanhang lange Zeit sehr unzufrieden, was sich einer unzählbaren Anhäufung der Beschimpfungen: „Hijo de puta“ und „Concha tu madre“ ausdrückte. Diese gingen Männern, wie Frauen über die Lippen und auch kleine Kinder neben ihren Müttern wiesen die Spieler gerne darauf hin, dass sie nicht nur Hurensöhne seien, sondern statt Fußball zu spielen doch lieber die eigenen Mutter oder wahlweise auch Schwester ficken sollten…
| An manchen Tagen war es SO HEIß, da mussten wir die ganze Zeit im Pool mit kühlen Nassgetränken verbringen.. |
In den kommenden Tagen legte ich nicht nur meine zweite Studienprüfung erfolgreich ab. Wir genossen auch weiter die Gastfreundschaft von Rosa, Victor und Celeste und sammelten viele Eindrücke in der großen Stadt Buenos Aires. Diese alsbald auch zu viert, da uns Gabi und Sascha über die Feiertage besuchen kamen.