"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen"

Johann Wolfgang von Goethe

Donnerstag, 26. Januar 2012

Buenos Aires - Gastbericht

Nach monatelangem Warten und einem relativ unspektakulären Hinflug kam ich am 19. Dezember 2011 mit ca. 60-minütiger Verspätung ENDLICH in Buenos Aires an! Das erste Gefühl, das mich überkam, war das Verlangen, alles auszuziehen, was ich hatte. Das Thermometer maß an diesem Tag knapp 30 Grad und in Stuttgart war ich bei 5 Grad losgeflogen; heißt: lange Hose, langes Oberteil, feste Schuhe. Nun gut. Nach ausgiebiger Begrüßung fuhren wir ca. 45 Minuten ins Stadtzentrum von Buenos Aires. Etwa 3 Tage vorher hatte sich herausgestellt, dass das Hostel, das ich schon im Mai vorher gebucht hatte, nicht mehr existiert, sodass Tobi auf die Schnelle ein anderes finden musste. Dort angekommen, erstmal umziehen und ab in die Sommerklamotten – was für ein grandioses Gefühl! Kleidchen und Flip-Flops im Dezember! 
Am nächsten Tag hatten wir uns mit Philip und Sascha verabredet, der kurz nach mir in Buenos Aires aufschlug. Treffpunkt war der „Obelisco“ ,das Wahrzeichen von BsAs (von uns liebevoll „Penis“ getauft, da er einfach aussieht wie ein riesiger Phallus).

Am 20.12.2011 gab es gleichmal einen Anlass zu Feiern, 1 1/2 jähriges von Gabka und Tobko <3
Die nächsten Tage verbrachten wir damit, uns einen Eindruck von diesem Land/ der Stadt zu verschaffen. Wir klapperten die Sehenswürdigkeiten ab: Der Mausoleenfriedhof in Recoleta, der Stadtteil „La Boca“ inklusive Besuch im Fußballmuseum, Plaza de Mayo, Calle de Florida mit ihren vielen Läden und unzähligen Strassenhändlern…Kulinarisch gesehen hatte BsAs auch einiges zu bieten: Empanadas (Teigtaschen wahlweise gefüllt mit carne (Hackfleisch), pollo (Hühnchen) oder jamon y queso (Schinken und Käse)), Alfajores (zuckersüße Minikuchen mit einer noch süßeren Füllung, vorzugsweise „dulche de leche“, eine Art flüssiges Karamell), natürlich das legendäre argentinische Rinderhüftsteak, das seinem Namen alle Ehre machte und – GANZ wichtig: QUILMES, das dortige Lieblingsbier und wirklich sehr lecker! Unvergessen der Besuch im „siga la vaca“ (was übersetzt so viel heißt wie „Fang die Kuh“). Dort gab es ein „All you can eat“-Angebot: für ca. 100 argentinische Pesos (ca. 20€) konnte man dort so viel essen wie man schaffte.



Das Angebot beinhaltete zig verschiedene Fleischsorten vom größten Grill, den ich jemals gesehen habe (insgesamt ca. 10 m lang und 1 m breit), unzählige Beilagen in jeglicher Form auf einem ebenso langen Buffet, einen Pitcher Getränke (1 Liter) und einen Nachtisch. Da kann man nicht meckern! Und geschmeckt hat es ausgezeichnet! Mit vollgefutterten Bäuchen „rollten“ wir uns glücklich und zufrieden aus dem
Restaurant und machten noch einen abendlichen Spaziergang durch den milden Abend am Hafen entlang. Das Stadtbild wurde noch geprägt durch Klimaanlagen in riesigen Mengen an ALLEN Häusern, eher symbolisch angebrachten Strassenmarkierungen (Hauptverkehrsregel: wer hupt, hat Vorfahrt! Und „3 Fahrspuren?! Pah, da passen wir mindesten zu fünft nebeneinander hin“, was auch so praktiziert wurde), durch die so gar nicht zu diesem Land passen wollenden Warteschlangen an Bushaltestellen und Bankschaltern/Cashautomaten (piccobello in Reih und Glied, kein Drängeln, kein Motzen), sich in kurzen Abständen aneinander reihenden Menschen, die einem Geldwechselgeschäfte aller Art anboten (plötzlich ein Raunen von der Seite „casa de cambio“), die bereits erwähnten Strassenhändler und nicht zu vergessen: die Autos. TÜV gibt es dort nicht und genau so sahen die Autos auch aus. Mehr oder weniger waren es teilweise Schrotthaufen auf vier Rädern. Aber sie fuhren!



Nach einigen Tagen hatten wir uns an die Zeitumstellung und das Klima gewöhnt. An Heiligabend waren wir bei Victor und Rosa eingeladen, bei denen Tobi und Philip im Vorfeld schon einige Tage verbracht hatten. Nun wollte bei diesen sommerlichen Temperaturen ja SO GAR KEINE weihnachtliche Stimmung aufkommen, weswegen wir sehr froh waren, dass wir wenigstens bei einer Familie waren, auch wenn es nicht die eigene war. Nach 1,5-stündiger, etwas holpriger und enger Busfahrt kamen wir in Garin an. Mit sämtlichen Koffern bepackt (am nächsten Tag sollte es nach Mar del Plata gehen) liefen wir durch den kleinen Ort und nach einem kleinen Zwischenstopp im Supermarkt, um Getränke für die bevorstehende Weihnachtsfeier zu besorgen, erreichten wir das Haus der Familie. Nachdem die Koffer verstaut und man sich begrüßt und ausreichend geküsst hatte, gingen wir in den Garten und lernten „Johnny“ und „Brenda“ kennen, die beiden Hunde der Familie. Nach einiger Zeit hatten wir auch „Manuela“ die Schildkröte gefunden, die sich hinter einem Trümmerhaufen im Garten versteckt hatte. Später stieß auch Celeste, die Enkelin der beiden zu uns und das Essen wurde vorbereitet.

Das Weihnachtsessen, rico!
 
Während sich Rosa in der Küche um die Vorspeisen und Beilagen kümmerte, machte Victor sich am Grill und den vielen Kilos Fleisch zu schaffen, die es an diesem besonderen Abend geben sollte. Wir erfuhren, dass wir insgesamt 12 Personen sein sollten und entsprechend viel zu essen sollte es geben.
Ich stellte fest, dass Weihnachten in Argentinien ETWAS anders gefeiert wird, als in Deutschland, nämlich mit Wein, Gesang, Tanz, viel (lauter) Musik, Silvesterböllern in Hülle und Fülle und einer rauschenden Party bis in die frühen Morgenstunden! Allerdings gab es auch einen ruhigen, besinnlichen Teil während dem Essen. Traditionell sprach Rosa ein paar Worte mit biblischem Hintergrund und anschließend wurde ein kleines Jesuskind in einer Krippe herumgereicht, wobei jeder etwas sagen durfte und anschließend wurde das Jesuskind geküsst und weitergegeben. Schlafenszeit war gegen 6:00 Uhr morgens. Trotz der Tatsache, dass wir diese Menschen zuvor noch niemals gesehen hatten (also Satcha und ich zumindest), war deren Gastfreundschaft wohl kaum zu überbieten.

Ein schöner Weihnachtsabend neigte sich dem Ende zu...
Sie nahmen uns mit einer Selbstverständlichkeit und Herzlichkeit in ihr Haus auf, wie es seinesgleichen sucht. DANKE Victor und Rosa!!! Muchas gracias por todo!
Ca. 30 Minuten später mussten wir auch schon wieder aufstehen, da unser Bus nach Mar del Plata fuhr. In 2 Fuhren schaffte Victor uns zum Busbahnhof und wir machten es uns in den riesigen Sitzen mit Fußablage bequem – ab ans Meer!!!

Nach ca. 6 stündiger Busfahrt wurde selbiges auch erreicht, bzw. der Busbahnhof zur zugehörigen Stadt „Mar del Plata“. Dort wurden wir nach kurzem Warten von unserem Vermieter abgeholt, welcher uns zu unserer Unterkunft etwas außerhalb der Stadt brachte. Traumhaft! Vergleichbar mit Bungalos in Italien, hatten wir 2 Buden in einem tollen Haus inkl. Garten mit jeweils Schlafzimmer, Bad und Wohnküche (10 € pro Person und Nacht). Ich war ja dafür, dass wir mal die Partner durchtauschen sollten, aber meine spießigen Begleiter waren eher der Ansicht „never change a wining team“ und so nahmen Gabi und Tobi eine Unterkunft und ich teilte mir meine mit Philip.


"Unser Strand", 1X umfallen und schon waren wir da!!


Die folgende Woche war dann wirklich so etwas wie Urlaub wie ihn unsere Eltern verstehen. Wir lagen gechillt am Strand, planschten im kalten Atlantik und abends wurde abwechselnd gekocht. Das Geile hierbei war, dass man sich immer gegenseitig übertreffen wollte und somit von Abend zu Abend besser aufgetischt wurde. Ich denke jedoch objektiv sagen zu sagen, dass meine Spaghetti Carbonara unerreicht blieben;-). Nach dem Essen wurde gemütlich Karten gespielt, wobei sich das ein oder andere Mal tiefe
menschliche Abgründe auftaten, was für schlechte Verlierer doch in unsrer Runde waren... Sogar heilige Allianzen wie Kickers VS. VfB -sprich alle gegen mich- wurden gebrochen. Einen Tag besuchten wir auch die stark belebte City von Mar del Plata zum Shoppen, flanieren und Rückfahrtickets kaufen. Erinnerte mich stark an irgendwelche Strandstädte in Europa, sehr westlich geprägt, was ja aber nicht das Schlimmste auf der Welt ist. Und so wurden Klamotten und Tickets gekauft, Eis und Burger gegessen sowie einfach das dolce vita genossen, wie die ganze Woche.
Am vorletzten Tag unseres erholsamen Aufenthalts, besuchten Philip und ich noch das Dakar Rennen, bzw. den für Besucher aufgebauten Park mit Autos, Motorräder, Trucks und ettlichen Sponsor – Ständen.

Prost
Schon sehr faszinierend, dass es heute noch ein weltweit so populäres Rennen gibt, bei dem jährlich Menschen sterben. Trotzdem ein netter Ausflug mit Gratis Fernet Cola, Werbegeschenken und Souvenirs.
Am anderen Tag war dieses Kapitel unserer Reise dann auch beendet und es per Bus zurück ins tolle, hektische und heiße Buenos Aires. Zum Thema Reisen hier sei noch angemerkt, dass ich in Deutschland nie wieder etwas von einem super tollen 5 Sterne Fernreisebus hören möchte! Diese gibt es nämlich in Südamerika wirklich, da ist dieser Kontinent sehr viel weiter als das reiche Europa.

Genau so, will er auswärts fahren...
Nun standen noch noch 5 Tage bzw. 4 Nächte in Buenos Aires an, welche von jedem der beiden Pärchen auf ihre ganz eigene Weise genutzt wurden... Noch ein Wort zu Silvester in Buenos Aires, dieses hat dort wohl ein ganz anderen Stellenwert als bei uns.
Obwohl wir uns auf einem der zentralen Plätze in Buenos Aires aufhielten, war nicht viel Feuerwerk zu sehen. Auch die anschließende Suche nach einer Party in einer Disco oder Bar stellte sich als erfolglos heraus. Enttäuscht ging es also zurück ins Hostel, wo dann doch noch einiges los war und zumindest Philip und ich noch etwas zum feiern kamen (so wie fast jede Nacht im völlig verstrahlten Hostel...)