"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen"

Johann Wolfgang von Goethe

Donnerstag, 10. November 2011

Ach Mägdelein,ach Mägdelein,wenn ich Dich vor mir seh, wär ich so gern ein Vögelein Vom Titicacasee: Bericht


Der erste wurde genutzt um sich nochmals „Qosqo“ (so ist die offizielle Quechua-Schreibweise von Cuzco) anzuschauen zum Kauf der Zugtickets; da wir am Montag Richtung Puno reisen wollten. Gleich mal vorab, mit den Zugtickets wurde es nichts. Das Büro hat nur geöffnet wenn auch Züge fahren und da dies Sonntags nicht der Fall war, auch keine Tickets. Am Montag den 24.10.2011 verließen wir das POINT HOSTEL gegen 7:00Uhr um noch rechtzeitig Fahrkarten kaufen zu können. Doch es kam alles anders. So saßen wir am Schalten der zuständigen Agentur und bestellten zwei Tickets zum Titicacasee. Der Preis von je  220$ riss uns aus allen Träumen und so kam es, dass wir vierzig Minuten später im nahe gelegenen Busterminal in einem klapprigen Bus saßen. 220$ und 40 Soles (etwa 10€) sind dann eben doch ein großer Unterschied. ENDLICH, Titicacasee/Puno! Das Wetter war gut und bereits am Ankunfts-Terminal buchten wir eine Tour raus auf die „UROS Inseln“ welche mit einem Kurzbesuch auf der „Isla TAQUILE“ verbunden war, plus Busfahrt am Mittwoch in  die bolivianische Stadt Copacabana. 

Nicht gerade ein Badeparadies...
Die UROS Inseln sind „selbst gebaute“ Inseln. Das Fundament bilden etliche Erdwürfel welche mit Ankern am Grund befestigt werden. Darauf folgen mehrere Schichten Schilf-Gras, welches normalerweise alle 30 Tage frisch neu aufgelegt werden muss. In der Regenzeit sogar alle 15 Tage. Nach einer kleinen Vorführung des Baus einer solchen Insel und ein wenig Geschichte, „eröffnete“ der Inselpräsident dann der Künstlermarkt und man durfte in die Häuser der Bewohner einen Blick werfen.

Der Stammesoberste (auch zu erkennen an der Farbe seiner Mütze) zeigt mit voller Hingabe wie man eine solche Insel baut.
Zum Schluss gab es noch die Möglichkeit einer Fahrt mit dem sogenannten „Mercedes“ über den Titicacasee. Mercedes? Ja, ein zweistöckiges Kajak, gebaut aus dem selben Schilfgras wie die Inseln. Optisch umrandet waren die Boote mit zwei Tierköpfen an der Front, deren Augen stilecht aus PET-Flaschen sind. Beim ablegen dann der touristische „Höhepunkt“. Lieder wie „Vamos a la Playa“ wurden angestimmt und zerstörten eine zuvor für idyllisch empfundene Insel. So schipperten wir dank der Manneskraft des „Häuptlings“ und einem Gehilfen vor der Insel eine kleine Runde über den See, ehe wir uns mit dem Schiff auf die 3 stündige Tour nach TAQUILE machten. Die Fahrt konnte man unter Deck und auf Deck verbringen. 


Die Sonne knallte, doch der Wind auf See machte alles sehr angenehm. Die Insel TAQUILE ist für ihre strickenden Männer bekannt, welche ihre gesamte Zeit damit verbringen. Bereits beim Anlegen standen sie mit Strickzeugs da. Währen dem Essen gab es noch eine einführung in die Bedeutung der Mützen sowie in die Art der gebundenen Schleifen welche sowohl Männer als auch Frauen trugen. Die Mützen zeigten den "Grad der Wichtigkeit", die Schleife zeigte, ob die Person Solo oder vergeben ist. Nachdem Essen gab es eine kleine Tanzvorführung der Einwohner. Zuerst nur zwischen ihres Gleichen, danach wurden vier Touristen inklusive mir; Tobias, mit einbezogen. Tanzkurs Nummer 1 meines Lebens! 

...links, eins, zwei, rechts, eins ,zwei...
Im Dorfzentrum gab es dann wieder einen Künstlermarkt, doch wie so oft, an jedem Stand gab es die gleichen Mützen, die gleichen Armbänder und die selben T-Shirts. Nach unserer Ankunft in Puno suchten wir kurz das Hostel auf um danach ein Restaurant mit Meerschweinchen auf der Speisekarte aufzusuchen. Dieses mal endlich in der gebraten Version. Tags drauf dann endlich Copacabana! Schon beim ersten Anblick schöner, freundlicher und viel billiger als auf der peruanischen Seeseite. Hier lässt es sich leben. Wir aßen lecker zu Mittag und schauten uns danach die Stadt und den Strand an.
Am nächsten Tag machten wir eine 36 Kilometer Wandertour nach „Yampupata“. Von hier könnten Interessierte auf die „Sonneninsel“ fahren. Wir zogen es aus Zeitgründen vor, einfach nur hin- und zurück zu laufen. Wir hatten mal wieder super Wetter, waren wir ja auch ohne Fahrrad unterwegs. Unter „Yampupata“ hatten wir uns beide etwas anderes vorgestellt. Der vermeintliche bestand aus wenigen Häusern und kleinen, klapprigen Bretterstegen am Wasser. So viel unser Mittagessen dort eher mager aus. Es bestand für beide aus Äpfeln und Wasser. Der Rückweg wurde ab Kilometer 30 immer schwerer. Man sah die Stadt auf dem Rückweg, aber sie wollte und wollte nicht näher kommen. Dafür begleitete uns bis zum Hoteleingang einer der vielen streunenden Hunde über Kilometer –und nicht abschüttelbar!
Am nächsten Morgen um 10Uhr standen wir an der Kathedrale um dem täglichen Spektakel der Autosegnungen beizuwohnen. 


Nach heiligem Wasser, Sekr nun noch Rosenblätter...
Nun wissen wir auch warum manche Lenker fahren, als seien sie alleine auf der Straße: Es KANN einfach nichts passieren nach so einer Segnung. Vier Personenbusse und ein Jeep standen bereit. Der Priester segnete zuerst die Front mit Weihwasser welches er in Form eines Kreuzes auf die Windschutzscheibe tropfte. Danach lief er einmal um den Bus herum. Dann gab es Sekt und Rosenblätter für den Bus und die Prozedur war erledigt. Wir setzten uns in ein WIFI-Restaurant und verbrachten so die Zeit bis zur Abfahrt um 13:30 Uhr nach La Paz.