Als wir gegen Abend Cochabamba und unser Hostel erreichten, hieß es erst mal „Essensbeschaffung“. Doch die Läden gaben außer Wasser nicht viel her. Gut, morgen vor dem Besuch beim „sozialen Projekt“ eben ausreichend frühstücken. Der Wecker ging um 6:30Uhr und nach einer Irrreise ließen wir uns mit dem Taxi zum Treffpunkt fahren. Und Frühstück? Ähhhm ja, wenn halt noch nichts offen hat… Also hungrig zum Projekt.
Wie viele andere Stadtteile in Boliviens Großstädten, so entstand auch Ushpa-Ushpa als illegale Siedlung, die nur schwer offizielle Anerkennung zum Stadtgebiet erlangt. Infrastruktur, medizinische Versorgung und Bildungsangebote sind in diesen Ortschaften kaum vorhanden. Die Bevölkerungsstruktur entstammt hauptsächlich ehemaligen Mienenarbeitern aus dem Umland und die Menschen sind zumeist verarmt. Dennoch bringt es jede Familie im Schnitt auf 4- 6 Kinder.
Die Arbeit und den Nutzen des „Proyecto Horizonte“ für die Gemeinschaft von Ushpa-Ushpa konnten wir vor Ort hautnah mit erleben. Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, kann sich unter: http://www.ushpa-ushpa.com informieren. Wer ebenso von der Arbeit der Organisation angetan ist, kann deren Arbeit auch gerne in Form einer finanziellen Spende unterstützen!
Mit dem Truffi fuhren wir nun zum Mittagessen. Jorge wollte dass wir uns melden, damit wir mit ihm, seiner Mutter und seiner Schwester zu Mittagessen konnten. Es gab eine leckere Suppe und Fisch mit Kartoffeln „Estuvo muy rico!“. Bei strahlendem Sonnenschein gingen wir danach Richtung Innenstadt und verbrachten dort unsere Zeit. Am Mittwoch kauften wir zu allererst unsere Bustickets nach Potosì. Danach schlenderten wir über einen Markt und konnten wiedermal aufs Neue bestaunen wie Massen an Kartoffeln, unterschiedliches an Elektronik genauso an die Frau / den Mann gebracht werden sollte, wie unzählige Hühner oder anderes Getier in engen Käfigen.
Das verkaufte Huhn wurden am Hals gepackt und Kopfüber in einen Sack geschmissen, wo schon einige andere auf es warteten. Nach einem Besuch im Kloster der Stadt mit Blick über Cochabamba, aßen wir noch zu Abend und gingen dann zum Busterminal. Man kam sich hier in der Empfangs- und Verkaufshalle vor wie auf einem Markt mit unzähligen Marktschreiern. Jeder bewarb seinen Bus, dazu etliche Getränkeverkäufer, Bettler und Unmengen an Reisenden. Im Bus wurde dann auch wieder einmal alles transportiert und verstaut was nur ging. Es machte den Anschein als würde sich eine ganze Boutique, oder zumindest Schaufensterpuppen samt Verkäufer, mit uns auf den Weg nach Sucre machen. So saßen wir im Bus, mit lauter Handymusik, schreienden Kindern und Puppen und machten bereits nach 10 Minuten den ersten Halt. Angekommen in Sucre ging es dann mit dem Taxi zum Hostel. Wer wie wir bereits Arequipa/Peru und viele andere Städte mit Kolonialbaustil gesehen hat, ist von Sucre nun nicht so begeistert… Eine schöne Stadt, gemütlich, zum entspannen und gut. Potosì, unsere nächste Station, sollte da mit ihren Mienen schon eine größere Attraktion sein. Wir wählten ein Backpackerhostel und buchten auch gleich unsere Mienentour für den nächsten Tag.
Mit einem Kleinbus und einem Fahrer der entweder getrunken hatte oder heute seine ersten Fahrstunde mit uns hatte, ging es erst zum einkaufen.
| Von Bier über Dynamite gab es hier alles!! |
Normalerweise kauft man für die Mienenarbeiter: Handschuhe, Kokablätter und Saft. Doch da heute Samstag war und die meisten Mienenarbeiter nur Montag bis Freitag arbeiteten, kauften wir Bier und für unseren eigenen Spaß, Dynamit (Ja, das ist hier frei erhältlich!). „Bewaffnet“ fuhren wir zum Mieneneingang und zur dortigen Bevölkerung. Während die einen draußen Informationen erhielten, wurde ich (Tobi) mit einem Franzosen zusammen, in ein Haus gewunken indem wir mit zwei Mienenarbeitern und Bier anstießen. Wir hatten Glück, denn trotz Samstag und einem „Trinkgelage“ am Freitag, gab es Arbeiter in der Miene.
So liefen wir in geduckter Haltung ins Innere und sahen welchen Umständen ein Arbeiter hier ausgesetzt ist. Staubige Luft, dazu enge niedrige Gänge und nur vereinzelt Neonlicht. Durch einen engen Schacht gelangten wir zur „Arbeiterklasse“. Hier waren zwei am Werke. Der dicke „Don Pedro“ und ein Zuarbeiter. „Don Pedro“ als Chef verdient hier in der Miene ungefähr 15 € im Monat.
Wieder gab man eine Dose Bier ab und stoß mit Ihnen an. Dann wurde GESPRENGT. In einem abgelegenen Teil der Miene, setzten wir uns zusammen und gaben den gekauften Sprengstoff an unseren Führer „Choco“ ab. In kürzester Zeit bastelte er drei Sprengsätze. Ein „Kind“, die „Familie“ und den „Meister“. Genau in dieser Reihenfolge sollten sie gezündet werden und bereits beim „Kind“ merkte man welche eine Kraft und welch eine Druckwelle eine einzelne Dynamitstange hat.
| Wenn das Geld ausgeht.... |
Beim Verlassen der Miene gab man übriges Bier, Kokablätter und Zündschnüre an die Arbeiter ab und fuhr zurück ins Hostel. Dort verabredeten wir uns mit „Choco“ nach einer Dusche noch in die Stadt zu gehen und gemütlich ein paar „Potosina“ zu trinken. Wir landeten in einer „Trinkhalle“ in die sich ein Normalsterblicher Tourist wohl nie verlaufen hätte. Durch einen schmalen Gang gelang man in die Halle. An jedem Tisch, egal ob an diesem zwei, drei oder acht Leute saßen, standen zwei 1,1 Liter Potosina Bierflaschen; nichts Besonderes in dieser Region, hier werden immer zwei Flaschen bestellt. Nachdem wir „Pique a la Macho“ gegessen hatten, verabschiedete sich Philip und ließ mich mit Choco zurück. Dieser wusste da bereits wie unser Abend verlaufen wird. „Wenn wir leer haben fahren wir zu den Mienern und trinken dort weiter!“ „Super Idee!“. Als wir aus dem Taxi stiegen wusste ich nicht wo hier nun eine Party oder ein Trinkgelage sein sollte. Doch wieder für unwissende unauffindbar, versteckte sich die Mienerbar hinter einem großen Stahltor. Nach einem bestimmten Klopfzeichen wurde uns das Tor geöffnet und nachdem ich vorgestellt wurde, mit „Heil H….“ begrüßt. Man sieht es hier nicht so eng mit Hitler, Osama Bin Laden und Co.! Denn bereits am Vormittag in der Miene konnte es Choco nicht oft genug sagen, wie „geil“ er Bin Laden findet, Sprengmeister sind und er gegen „Gringolandia“ (die USA) ist. Aber zurück in die Minerbar; im kleinen Raum, viele kleine Tische mit betrunkenen Mienern, im angrenzenden, ein riesen Tisch und drum herum bestimmt 25 Arbeiter. An den kleinen Tischen standen entweder zwei Flaschen Bier oder zwei Flaschen des 96%igen Schnapses. Aber ich kann Euch beruhigen, zumindest entgegen unseren Vorinformationen wurde dieser hier nicht pur getrunken sondern mit Sprite gemischt.“So“ harte Trinker sind die dann doch nicht. Laute Musik, dazu immer wieder Handgreiflichkeiten zwischen den Bedienungen (welche hier Cholitas waren) und betrunkenen Mienern, waren an der Tagesordnung. War es doch Brauch und dass wurde mir sofort gesagt und gezeigt, sich nicht selbst nachzuschenken wenn sein Bierglas leer war. Nein, man haute mit dem Glas drei-, viermal auf den Tisch bis die Cholita kam und ließ sich und den anderen (wenn deren Glas auch leer waren) nachschenken. Und im selben Moment, wenn sich die Cholita dann umdreht, versucht man dann deren Rock zu lupfen, was bei unserem Trinkkumpanen eine blutige Nase ergab. Aus diesem Grund prallten alle Animierversuche an mir ab und ich beließ es beim „Glas auf den Tisch hauen“. Die Leute um mich herum, inkl. Mir, wurden immer betrunkener, die Luft immer stickiger, die Sause immer ausgelassener. Irgendwann zog einer unserer Tischtrinker Karten und forderte mit einem anderen Mienenarbeiter, Choco und mich heraus. Da die 1,1 Literflasche „nichts“ kostete, zumindest wenn man es in Euro umrechnet, ließ ich mich darauf ein. Mit einem Sieg in der Tasche verließen wir nach knapp 2,5 Stunden die Mienenbar. Ich fiel ins Bett und erwachte wieder rechtzeitig zum Frühstück am nächsten Tag.