Pünktlich um 4h klingelte der Wecker und um 4.30h waren wir alle mit großer Vorfreude, marschbereit. Aber weder unser Guide (Wollte ein Zugticket kaufen), noch der Rest der Gruppe waren sichtbar. So stapfte die deutsch, spanisch, kanadische Besatzung entschlossen alleine los. Die Stirnlampen wiesen den Weg hoch zum Machu Picchu. Während der „gehasste und verachtete“ Pauschaltourist vielleicht gerade beim Frühstück saß und auf seinen 5.30h-Bus wartete, schwitzten und keuchten wir die steilen 2000 Stufen hoch. Es herrschte schon reger Verkehr auf den Treppen. Aber wir bahnten uns an allen vorbei den Weg, um einen vorderen Platz in der Schlange zu ergattern. Gegen 5.45h erreichten wir schließlich ausgepumpt den Eingang. Eine Handvoll Backpacker säumte bereits den Vorplatz in freudiger Erwartung. Bis zum Eintreffen der ersten Busse dürfte der Altersschnitt bei etwa 25 Jahren gelegen haben. Dieser schoss aber bereits nach dem 3.Bus gewaltig in die Höhe.
Die Inkastätte auf Machu Picchu war noch in dichte Wolken gehüllt und offenbarte bei Eintritt erst nach und nach ihre gewaltige Größe. Wir streiften eine erste Runde mit unserem Guide Silvio und der Gruppe durch die Ruinen und folgten gespannt seinen Erläuterungen. Danach ging es für Tobi und mich hoch auf den Nebenberg Wayna Picchu. Nochmals 45min Anstrengungen und unzählige Stufen bis zur Spitze. Diese belohnte uns allerdings mit einer einzigartigen Sicht auf die die alten Ruinen, die sich majestätischen in die Gebirgskette schmiegt.
Wir verharrten über eine Stunde hoch oben auf einem der begehrten Gipfelplätze und ließen die Anmut dieses Platzes auf uns wirken. Über uns thronten nur noch die Kondore und das wechselnde Spiel der Wolken und der Sonne, die die Landschaft immer wieder mythisch veränderten, trugen ihr Übriges zu einem gewaltigen Natur-Menschheitsgeschichte-Spektakel bei. Ein Highlight anderer Art war allerdings ein älterer schweizer Genosse. Dieser war uns unten bereits aufgefallen, wie er seine Videoaufnahmen voller Inbrunst mit seinem angelesenen Fachwissen kommentierte. Oben schoss er allerdings den Vogel (Keine Angst um den Kondor :-p ) ab, als er vom Tonbandgerät mythische südamerikanische Klänge spielen ließ, dieses unter die Kamera hielt und damit seine Aufnahmen musikalisch untermalte –sensationeller Typ!
Als wir wieder unten in den Ruinen angekommen waren, herrschte dort bereits der ganz normale Touri-Wahnsinn! Schlangen von Pauschal-Pilgerern aus aller Welt bahnten sich hinter den Fähnchen ihrer Guides ihren Weg durch die Ruinen. Stets unter den strengen Augen der Aufseher, welche darauf achteten, dass Laufrichtungen (mitunter Einbahnverkehr!) eingehalten worden oder bestimmte Orte innerhalb der Stätten nicht länger als 5min. pro Gruppe genutzt wurden. Die Mystik dieser Stätte verlor so ein wenig an Kraft, wozu auch die ständigen Trillerpfeifen (bei Verfehlungen der Touristen), die allgegenwärtigen Foto-Shootings und der Blumenstrauß deutscher Dialekte, samt deutscher Kleidungsverfehlungen in Form von Sandalen, Tennissocken und neuerworbenem Machu-Picchu-Schlapphut, beitrugen. Dennoch verblieben wir über sechs Stunden oben und fanden doch immer wieder Punkte, um uns noch einmal in Ruhe der Magie dieser Stätte auszusetzen.
Auch den Rückweg traten wir zu Fuß an. Da wir noch eine ganze Weile bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten, ließen wir die Restaurantanwerber um uns kämpfen, ehe auch wir uns wieder gen Cuzco aufmachten. Machu Picchu war in jedem Fall jeden gezahlten Cent (190$ inkl. 4-Tagesprogramm, An- & Rückfahrt, Eintritt, Unterkünfte & leckerer Verpflegung) wert!