"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen"

Johann Wolfgang von Goethe

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Pisco bis Arequipa: Bericht

Irgendwie kennt in Südamerika jeder Taxifahrer einen Hostelbesitzer. Und jeder Hostelbesitzer kennt jemanden der in einer x-beliebigen Stadt -in die man ja zufällig nun auch reisen will- wiederum ein Hostel hat. So kam es also das wir am Montag im Transporter einer Hostelbesitzerin aus Pisco saßen, welche uns durch „Tuna“ am Vorabend empfohlen worden war. Durch unzählige Stopps auf dem Weg kamen wir erst in der Dunkelheit in Pisco, an so dass wir schnell ein paar Kleinigkeiten im örtlichen Supermarkt kaufen, ehe wir schlafen gingen. Am Dienstag ging es dann; wie schreibt der Lonely Planet so schön: zu den „Islas Ballestas, dem Galapagos des kleinen Mannes“. Unzählige Vögel, Seelöwen, Krebse, Seesterne und Fische konnten wir auf unserer Bootstour um die Inseln herum bestaunen.

Durchsage des Captains: "Bei so vielen Vögeln, bitte Kopfbedeckung tragen!" Trotzdem "Treffer".
Bei nicht dem allerbesten Wetter schipperten wir so knapp 2 Stunden auf dem Meer umher. Und wie bereits anfangs erwähnt, hatte unser Hotelier vom Vortag natürlich noch etwas für unsere weitere Reise nach Ica/Huacachina im Ärmel. Ein Hostel direkt an der Lagune. Wir buchten das Hostel für eine Nacht, sowie eine Weintour und einen Ausflug in die Wüste zum Buggyfahren und Sandboarden inkl. Bustransport nach Arequipa von Mittwoch auf Donnerstag. Angekommen in Huacachina starteten wir sofort mit unserer Weinverkostung inkl. Produktionsbesichtigung. Danach liefen wir den kleinen Ort ab und kauften ein. Huacachina ist ein winziger Ort, umgeben von hohen Sanddünen und in der Mitte die letzte von einst mal 7 Lagunen von Ica. Am kommenden Mittwochmorgen frühstückten wir auf der Terrasse eines Cafès. Danach zog sich Philip zurück um zu lernen. In dieser Zeit fuhr ich mit dem Taxi nach Ica und schaute mir die Stadt ein wenig genauer an. Auf der Fahrt dorthin musste ich „Jorge“ meinem Taxifahrer, Rede und Antwort stehen, in Bezug auf seine Fußball fragen zu Ballack und der aktuellen deutschen Mannschaft. Zur Niederlage der peruanischen Auswahl vom Vorabend wollte er sich nicht äußern.
Da Ica im, Jahr 2007 von einem schweren Erdbeben zerstört wurde, gibt es nicht mehr allzu viele alte Gebäude zu bestaunen und wenn, dann sind die übrigen Fassaden sehr schräg oder zu großen Teilen eingestürzt. Ein paar Kirchen versucht man noch zu retten, allerdings sind die Schäden nicht zu übersehen und es bleibt zu hoffen, dass nichts passiert. Die 3 Stunden Zeit bis zu unserer Wüstentour nutzte ich voll aus und kam auf 15 Uhr im Hostel an. Als wir startklar gegen 16:15 Uhr im Buggy mit knapp 11 anderen saßen, war nicht zu erwarten was für ein Trip es werden sollte. Zuerst fuhren wir sämtliche Dünen hoch um diese dann mit full speed auf der anderen Seite wieder herunter zu donnern (Höchstgeschwindigkeit 60-70km/h). Nachdem wir gut ins „innere“ der Wüste gelangt waren, hielten wir an, nahmen die Sandboards aus den Buggys und rieben das Kerzenwachs auf die Unterseite des Boardes: „UND AB GEHT’S!“. 


Den ersten Hügel nahmen wir noch auf dem Bauch liegend, ehe wir dann stehend den zweiten; mit mehr oder weniger guten Haltungsnoten meisterten. Unten angekommen stiegen wir wieder in den Buggy und fuhren zu einem noch steileren Hang. Mit ordentlich Sand im Getriebe bzw. in den Socken, den Schuhen und einfach überall fuhren wir nun ein paar Meter um dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Beim Verlassen des Buggys bemerkten wir doch, dass aus einem Reifen Luft entwich. So genossen wir den Sonnenuntergang, während unser Fahrer den ledierten Reifen wechselte. 

Huacachina, umgeben von Wüste und in der Mitte eine Lagune.
Zurück im Hostel richteten wir uns für die abendliche Weiterfahrt. 

Pünktlich nach 12 Stunden Fahrt erreichten wir Arequipa. Eine tolle Stadt, welche jedoch auch Erdbebenerprobt ist. Ihre Häuser und Kirchen wurden aus dem hellen Vulkangestein „sillar“ errichtet. Ob die Stadt deswegen die weiße Stadt genannt wird, oder weil Spanier mit weißer Hautfarbe, welche um 1540 in diese Region kamen, ihr den Namen gaben, weiß niemand wohl so richtig. Nachdem wir unsere Rucksäcke in der Bleibe untergestellt hatten, liefen wir kreuz und quer durch die Gassen der Stadt. Arequipa ist eine äußerst gemütliche Stadt, keine nervenden Tourenanbieter wie im Reiseführer erwähnt. Kein Gestank von Grills welche an jeder Ecke stehen, die Leute passen zum Gesamtbild der Stadt; gemütlich und froh. 


Als am nächsten Tag; es war Freitag der 14.10., um 4:30 Uhr der Wecker klingelte hieß es „Cañon del Colca“ wir kommen. Mit dem Taxi zum Busterminal und ab nach „Chivay“. Dort mussten wir nochmals den Bus wechseln ehe wir gegen 10 Uhr am „Mirador del Condor“ den Bus endgültig verließen. Vereinzelt sah man die großen Kondore ihre Kreise in der Luft ziehen. Da wir noch ein gutes Stück Weg vor uns hatten und die Fahrt länger dauerte als gedacht, liefen wir knapp 1 Stunde eine unspektakuläre Straße entlang, ehe wir zum eigentlichen Ausgangspunkt unserer Wanderung kamen. Der „Rio Colca“ hat mit 3191 Metern den zweittiefsten  Cañon der Welt gegraben. Vom Start konnten wir bereits die Dörfer auf der gegenüberliegenden Seite sehen. In einem dieser Dörfer würden wir eine Nacht verbringen, ehe es am Tag darauf dann weiter geht. Die Strecke war mit 8 Stunden von der Touristeninformation berechnet, somit mussten wir vorwärts kommen. Der Weg war staubig, es war heiß und absolut ruhig! Nur gelegentliche Vogelschwärme; welche durch uns aufgeschreckt wurden und aus Büschen flogen, machten Geräusche. So gab es nur Philip und mich… Wir liefen nur Bergab, immer wieder der Blick auf die Dörfer, die Oase in mitten des Cañons und verdorrte, trockene Berglandschaft.


Als wir den „Rio Colca“ überquerten dann der erste Anwerbeversuch. Doch das Hostel war uns zu nah, eine umso größere Strecke müssten wir am Folgetag bewerkstelligen und da es an diesem dann fast nur noch Bergauf gehen sollte, lehnten wir ab und liefen bis ins Dorf „Malata“. Im gleichnamigen Hostel bekamen wir ein Zimmer. Es war eine sehr einfache Unterkunft mit zwei Schlafhäuschen aus Lehm für je 4 Personen. Geduscht wurde unter freiem Himmel mit kaltem Wasser, was uns nach einem schweißtreibenden Tag jedoch nicht davon abhielt.
Unsere Freiluftdusche; daneben wurde Alpakafleisch "getrocknet".
Nach einem sehr leckeren Abendessen legten wir uns schlafen. Samstag, um 7 Uhr gab es Frühstück und gegen 8 Uhr machten wir uns auf den Weg. Bis zur Oase ging es nochmals Bergab, danach nur noch Bergauf. Da es noch recht früh am Tag war, kamen uns diesmal auch etliche andere Wanderer (überwiegend deutsche) entgegen. Doch nicht nur Wanderer auch Einheimische mit Getier in Form von Eseln, die Beladen den Berg hinab stiegen. Und da „so´n Esel“ Spanplatten verlor durften wir eine zusätzlich Pause einlegen. Gegen 12 Uhr erreichten wir den Gipfel und somit auch die Stadt Cabanaconde. Nach einem wiederrum sehr feinen Mittagessen; es gab Alpakas mit Nudeln, sowie Spaghetti del Napoli, stiegen wir in den Bus nach Arequipa. Gegen 18:15 Uhr trafen wir am Terminal ein, buchten die Weiterfahrt für nach Cusco und gingen ins Hostel. Nach einer Dusche und leckeren Empanadas legten wir uns schlafen. Am Sonntag gab es dann einen „faulen“ , der aus lernen, lesen und Surfen im Internet bestand. Und ab nach Cuzco/Macchu Picchu!aHaHelftmi