"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen"

Johann Wolfgang von Goethe

Sonntag, 4. September 2011

2.Tag Quito


Um das  Spiel des geliebten Heimatvereins via Liveticker im Internet zu verfolgen steht man schon mal gerne um 6.30h Ortszeit auf.  Die Morgentoilette konfrontierte mich mit einer gewöhnungsbedürftigen Begebenheit: „Ladies and gentleman. Please place all toiletpaper in the trash“. Na lecker!! Das Ganze erfolgte dann nach dem Prinzip abwischen und bloß nicht in den Mülleimer beim reinwerfen schauen. „Aaaah“, ich hatte doch reingeschaut… Nach gepflegter Morgendusche in einer Duschkabine welche mir gerade mal bis zum Hals ragt, verfolgten wir einen standesgemäßen 4:0-Heimsieg unserer Blauen.


Mit diesem Hochgefühl stürzten wir uns ins Getümmel der Quitoer Altstadt. Auf den Straßen herrschte buntes Treiben und Menschenmassen drängten sich durch die engen Gassen. Noble Einkaufsläden, alte indige Verkaufsfrauen, die Waren jeglicher Art in  provisorischen Ständen, Bauchläden oder einfach auf dem Boden verkauften. Dazu streunende Jungen die ihre Dienste als Schuhputzer anboten, ergaben ein  buntes Kontrastbild. Das fortwährende Schreien der Verkäuferinnen und die Trillerpfeifen der Polizisten dominierten die Gehörgänge. In der Luft hingen Gerüche von Speisen jeglicher Art, welche an jeder Ecke angeboten wurden. Manche Gassen waren so eng, dass man es kaum wagte zu atmen, wenn die klapprigen, Personenüberladenen Busse sich ihren Weg vorbei bahnten. Deren blaugraue Abgaswolken erdrückten für Sekunden jeglichen Sauerstoff um einen herum. Die heimatliche Feinstaubproblemzone, das Stuttgarter Neckartor, würde hier ein Luftkurort sein.
Da der Ecuadorianer an sich eher kleinerer Statur ist, gehöre ich hier mit meinen 1,82m schon zu den Riesen auf den Straßen. Dies schreckte den ersten Taschendieb, welcher gerade mal 12 Jahre alt gewesen sein durfte, der sein Glück bei mir versuchte allerdings nicht ab. Da ich sein Ansinnen jedoch rechtzeitig bemerkte, suchte er nach missglücktem Versuch schnell das Weite.
Nachdem wir bereits Stunden durch die wunderschöne Altstadt mit ihren kolonialen Bauten gezogen waren, erklommen wir noch die Höhen auf denen die Basilika, Quitos größtes Gotteshaus steht. Dies  kann bis hoch zum Glockenturm bestiegen werden und bot einen hervorragenden Blick über die Weiten der Stadt.


Beim Abstieg kam uns in einer Straße ein gepanzerter Wagen entgegen. Ob es sich dabei um einen Geld- oder Gefängnistransport handelte war nicht ersichtlich. Den grimmigen Herrn, welcher aus der Dachluke des Wagens lehnte zu fragen dürfte jedoch keine gute Idee gewesen sein. Er zielte mit seinem Maschinengewehr auf jeden der sich dem Wagen auch nur näherte. Generell wimmelt es in der Altstadt nur so vor Sicherheitspersonal. Die Plätze sind mit Polizisten, welche via Trillerpfeifen auch kommunizieren, übersät und die gehobeneren Läden und Banken beschäftigen eigenes, schwerbewaffnetes Sicherheitspersonal.
Am frühen Abend suchten wir bereits unsere Herberge wieder auf. Körperlich können wir uns bislang kaum beklagen. Das Wasser hat uns noch keine Streiche gespielt. Mich begleiten nur andauernde Kopfschmerzen, wegen der Höhenumstellung.