"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen"

Johann Wolfgang von Goethe

Donnerstag, 8. September 2011

Philips "Zweite!!!! Woche"


Seit Sonntag, den 04.09.11 wohnen Tobi und ich nun im „Casa Amaru“ (http://www.amaruadventures.com/casa_amaru/?page_id=2), einem ehemaligem Wohnhaus, dass von seinem Besitzer zu einer WG für Reisende, Studenten, Volontäre und Arbeiter umfunktioniert wurde. Das Haus liegt zentral in Quito, nur wenige Fußminuten von der Altstadt und vom Szeneviertel „La Mariscal“ entfernt. Um uns herum hat es alle notwendigen Dinge des täglichen Lebens und im Getränkeladen gegenüber kann man sogar eine leere Bierflasche für kleines Geld frisch auffüllen lassen. Wir bewohnen hier ein kleines Zimmer zusammen. Das Haus ist allgemein gut in Schuss. Wenn man die „deutsche Gewohnheitsbrille“ aufzieht könnte man sich an der Küchentapete, den Löchern im Holzboden und der Decke oder an anderen Sachen stören. Das tun wir aber überhaupt nicht! Auch wenn es wie eine 30er-Zone wirkt, so ist viel Verkehr um das Haus herum. Bereits ab 5h morgens hupen die Fahrer (woraufhin die Hunde bellen…) beim Zufahren auf die Kreuzung um anderen ihr Kommen zu signalisieren und dann schnurstracks über die Kreuzung zu brettern. Das Ganze geht meistens auch gut. Bis auf heute Morgen, da hat es ordentlich geknallt vor der Haustüre!

Der Verkehr in Quito ist an sich schon ein Erlebnis. „Vorgeschriebene“ Personenzulassungen der Fahrzeuge interessieren hier keinen. Man fährt mit, wo es Platz hat. Besonders gerne tun das die Ecuadorianer auf Ladeflächen von Jeeps und LKWs. Selbst auf der Autobahn wird gestanden, geschlafen oder gespielt, während der Fahrer sich rücksichtslos und hupend seinen Weg durch den Verkehr bahnt. Vom Zustand der Straßen wollen wir erst gar nicht anfangen zu reden... Auch die Busse sind heillos überfüllt, die Straßen in der Stadt verengen sich noch durch Personen die auf ihnen laufen oder ihre Verkaufsstände betreiben. Am Chaos stört sich aber keiner. Im Gegenteil: Es wird mit Freude alles angehupt, was nur geht: Freunde zum Gruß, nahende Kreuzungen, den Vordermann wegen seiner Fahrweise oder auch aus nicht erfindlichen Gründen.
Quito hat aber noch mehr zu bieten. Ein buntes Straßenleben, in dem man so ziemlich alles auf dem Boden, in Bauchläden, von fahrbaren Ständen oder in kleinen Hausnischen, kaufen kann was man so  braucht oder auch nicht. An manchen Gehwegen ist ein Durchkommen schier unmöglich, weil eine Heerschar Leute sich die neusten Messerschleifwaren vorführen lässt. Essen in allen Variationen und Getränke sind überall zum kleinen Preis erhältlich. 

Dank eines Straßengrills für unglaubliche 0,75$ in Quito erhältlich. Geschmückt mit einer Wurst, Kartoffel, Fleisch und Gemüse!

Geschäftsfähigkeit gemäß Alter kennt hier ebenfalls niemand. Kinder ab 4 Jahren begleiten schon die Eltern und bieten assistierend oder selbstständig Waren zum Kauf an. Kleine Jungen konkurrieren als mobile Schuhputzer mit den Alten, die Holzsessel zum sitzen für die Zeit ihrer Dienstleistung anbieten.
Tobi vertreibt sich die Vormittage seit Montag für 2 Wochen in der Sprachschule und ich lerne ebenfalls an den Vormittagen spanisch und für mein Studium. Danach machen wir Quito unsicher, bis Quito uns unsicher macht. Und das ist meist mit Einbruch der Dunkelheit. Die Warnungen über die Gefahren in dieser Stadt hören wir von überall her. Noch sind wir aber gut durchgekommen. Als ich dieser Tage allerdings alleine Geld vom Bankautomaten gezogen hatte, beschlich mich ob der ganzen Warnungen der letzten Tage, doch ein seltsames Gefühl der Verfolgung auf meinem Heimweg. So lief ich im Zickzack durch die Straßen und blickte mich immer wieder prüfend um. Mit dem Untertauchen in der Menge ist das ja hier nicht ganz so einfach für mich, da der Passantendurchschnitt bei etwa 1,60- 1,65m Körpergröße liegt.

Am Dienstagabend (06.09.) dann auch endlich unser erstes Fußballspiel auf dem südamerikanischen Kontinent. Ecuador hatte die Auswahl aus Costa Rica geladen, welche am Wochenende zuvor noch die US-amerikanische Klinsmann-Truppe auswärts mit 0:1 geschlagen hatte. Die frühe Anstoßzeit (16h) im  „Estadio Olímpico Atahualpa“ rechtfertigte der Verband mit dem fadenscheinigen Hinweis darauf, dass die kommenden Qualifikationsspiele ebenfalls um diese Zeit beginnen und sich die Mannschaft daran gewöhnen müsse. So verloren sich im weiten Rund auch nur etwa 3.500 Zuschauer. Groß war die Freude über das 4:0 gegen einen (mit der Höhe) völlig überforderten Gegner. Gleichwohl des ungefährdeten Spielverlaufs flippten Teile des Publikums immer umgehend bei Fehlpässen der eigenen Mannschaft aus. Auf  unserem Kurvenplatz, den wir für 5$ erstanden hatten, waren wir auch abseits des Spiels durch das Treiben in unserem Block bestens unterhalten. Eine exorbitante Anzahl an Verkäufern versuchte gekühltes Bier und andere Waren an die Frau/ den Mann zu bekommen. Es schmerzte schon beim Zusehen, wie manch alte Verkäuferin sich über die hohen Stufen der Tribüne quälte. Ein kühles Bier mit ordentlich Eiswürfeln drin rundete das Match schließlich ab. Der Abend endete mit unserer ersten Taxifahrt Heim ins Casa.